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Dr. Andrea Bauer berichtet über ihren Einsatz PDF Drucken E-Mail

Erneut besuchte Frau Dr. Andrea Bauer, Unfallchirurgin, dieses Mal in Begleitung ihrer Tochter Rebecca und Frau Dr. Daniela Schmid, Mikrobiologin, das Krankenhaus in Ngaoubela.

Sie berichtet über ihren Einsatz und aktuelle Geschehnisse in Kamerun:

"Diesmal gings so richtig rund in Ngaoubela, ein neuer OP- Trakt, gesponsert von einem Spender, dafür meine tiefe Hochachtung, war schon im Entstehen als wir ankamen.

Dabei waren 11 Architekturstudenten der TU München, die mit der Planung bereits befasst waren und selbst Hand anlegten und wirklich jeden Tag morgens bis abends an der Dachkonstruktion arbeiteten. Bewunderswert wieviel Energie der jungen Menschen hier in ein soziales Projekt einfloss, das sie nicht nur durch eigene Mittel, als auch in ihrer Freizeit erbrachten.

Ich denke dass ihr überaus grosses Engagement auch die afrikanischen Arbeiter beeindruckte und anspornte. 

Der Platz im Vorarlberghaus war entsprechend knapp, gemeinsame Ziele vor Augen machten jedoch ein harmonisches Zusammenleben möglich, ja und auch das Wasser sowie der Strom waren auf unserer Seite.

Ich habe noch nie einen Bau so schnell wachsen sehen und da war offensichtlich zu bemerken, dass gute Kräfte und Motivation alles möglich machen konnten.

„Das hat Ngaoubela noch nie gesehen“ so Elisabeths Worte. 

Mein Aufenthalt war noch nicht so lange her. sodass ich mich leichter einarbeiten konnte, zumal ich ja auch noch einige Patienten vom letzten Aufenthalt kannte und weiterbehandeln durfte. 

Für Rebecca war die Zeit sicher zu kurz, um sich wirklich einleben zu können, alles komplett neu und ungewohnt, zumal auch die Sprache für sie unverständlich, hatte sie doch so einige Mühe sich zurechtzufinden, alles in allem aber bewies sie doch Standfestigkeit und kämpfte sich  durch. 
Daniela, Allgemeinmedizinerin und Fachärztin für Mikrobiologie und Epidemiologie hatte schon Afrikaerfahrung aus Gabun mitgebracht und stieg sozusagen voll und intensiv ein, indem sie für die Dauer unseres Aufenthalts die Frauen- und Kinderabteilung übernahm. Außerdem kümmerte sie sich noch um die Untersuchungsmethoden des Labors und hatte ein zusätzliches Mikroskop mitgebracht. 

Dr. Elisabeth Neier war selbst erst ein paar Tage vor uns, nach ihrem Urlaub in Europa angekommen, somit wartete auch auf sie eine Menge Arbeit.

Viel Ruhe war uns nicht vergönnt, ein Notfall jagte den nächsten und geplantes Arbeiten war durch die zahlreichen  Akutinterventionen nicht möglich. Leider wurden wir gerade durch die vielen schweren Fälle wieder an unsere Grenzen gestoßen. Trotz unseren Bemühens verloren wir eine schwangere Frau an einem akuten Nierenversagen, hier hätte in Europa eine Dialysemöglichkeit ihr Leben gerettet, ein 9 jähriges Mädchen kam zu spät mit einer fortgeschrittenen Typhuserkrankung, als dass sie gerettet werden konnte und ein Mädchen verstarb an einem schweren Schädelhirntrauma nachdem sie von einem Auto angefahren worden war.

Auch in Afrika gibt es wohl das Gesetz der Serie, so hatten wir mit drei schweren Schussverletzungen zu tun: Der tragischte Fall war der eines  23 jährigen Mannes. Ihm wurde im Rahmen eines Jagdunfalls in den Rücken geschossen. Zwei Kugeln steckten in seinem Rückenmark , zwei andere im Hals, die restlichen Kugeln hatten seine Lunge verletzt. Fast eine Woche kämpfte er um sein Leben, in dieser Zeit war er mehrmals so knapp am  Tod vorbeigegangen dass selbst ich schon dachte irgendeine höhere Macht hätte noch einiges mit Ihm vor, 2 Tage wurde er vom Pflegepersonal und seinen Angehörigen mit der Hand beatmet, aber schließlich hat er den Kampf doch verloren. 

Ein anderer junger Mann überstand seinen Durchschuss von der Flanke bis in den Bauchraum und wird  wieder ganz gesund werden.

Unfallchirurgisch musste ich doch wieder einiges improvisieren, den Extensionstisch haben wir durch Gewicht am Fensterkreuz vom OPSaal ersetzt, dadurch konnten wir eine Operation durchführen, die  dem Patienten der auch einen Unterschenkelbruch hatte, das 3 monatige Liegen an der Extension erspart bleiben, auch finanzielle Unterstützung konnte ich hier anbieten da ich von Freunden Mittel dazu erhalten hatte. An dieser Stelle vielen Dank dafür!

Auch Dank im Namen von Oussman, ein 12 Jähriger Junge mit Zustand nach einer Knocheneiterung der einen abgestorbenen Knochen in und schon außerhalb seines Unterarms hatte. Die notwendige Operation konnten wir nicht nur durchführen sondern auch aufgrund der Geldspenden bezahlen. Auch Moussa den ich schon vom letzten Aufenthalt kannte und mittlerweile nur mehr imstande war wie ein Storch zu hüpfen,  konnten wir mit finanzieller Unterstützung operieren und seine, durch die Narben nach Verbrennung entstandene, Fehlstellung im Bein korrigieren. Allerdings wird hier noch einiges an Nachbehandlung nötig sein. Auch bei uns stellen solche Fälle eine grosse Herausforderung an Patient und Behandler dar, können jedoch durch Physio-, Ergotherapie, Schienenversorgung sowie Kompressionsbehandlung und Übernahme der hohen Behandlungskosten bedeutend bessser geführt werden. 

Leider fehlte uns wieder einiges an Material. Gips war wieder einmal Mangelware, ein Container aus Österreich hängt seit Jänner in Douala fest.

Der Gips aus Afrika lässt sich gut arbeiten, sieht auch gut aus aber härtet nicht aus, sodass er eigentlich keine Wirkung hat. Wiedermal so ein afrikanisches Mysterium, das ich nicht zu lüften vermag. Von Amerikanern wurde Kunststoffgips gespendet, das Arbeiten hiermit ist aber leider so anspruchsvoll, dass ich nicht guten Gewissens seine Verwendung empfehlen kann. Damit kommen aber auch wieder neue Ideen: Gipskurs etc. auf.


Zum nächsten Bild aber zu bemerken, dass diese zerstörten Unterschenkelgipse nicht ein qualitatives Problem sondern ein Aktivitätsproblem des kleinen Mannes waren, der leider eine verzögerte Behandlung seiner Klumpfüsse, verursacht durch die fehlende Unterstützung seines Vaters, erfährt. 

Spektakulär für Daniela und mich, war auch eine von uns durchgeführte Operation eines  Abszess einer Wirbelsäulentuberkulose im Brustwirbelsäulenbereich. Wir hoffen doch der Patientin geholfen zu haben und gemeinsam mit der medikamentösen Therapie die Rückbildung ihrer Lähmung ab dem mittleren Brustkorbbereich zu erreichen. 

Auch die Handwerkskunst unserer Architekten nutzten wir auf medizinische Weise, einem 3 jährigen Buben, der sich bei einem Verkehrsunfall beide Oberschenkel gebrochen konnten wir somit gemeinsam und quasi interdisziplinär eine Overheadextension basteln. 

Gustave, den wir im Mai am Oberschenkel operiert hatten, hatte leider wieder einen Infekt an seiner Problemstelle erlitten, sodass wir ihn nochmal operieren mussten. Ich hoffe sehr dass  die Situation nun ausheilen wird.

Wieder war ich erstaunt mit welcher Geduld die Patienten ihr Schicksal erdulden, Gustave, der ja jetzt bereits seit einigen Monaten hospitalisiert ist, ist niemals demotiviert, zumindest zeigt er es nicht, Der Umgang mit Krankheit, Tod und Invalidität ist doch ein gänzlich anderer als in unserer Welt. Der Faktor Zeit hat eine andere Dimension.

Ich denke, dass wieder ein bisschen in unfallchirurgischer Behandlung, diesmal durch Daniela auch in Veränderung bei Antibiotikatherapie, erreicht wurde und auch unsere kleinen Hilfestellungen einen nachhaltigen Effekt hatten. Wir hoffen Dr. Neier etwas Hilfe gewesen zu sein, deren Energie und Kraft wir wieder unsere  grösste Bewunderung entgegenbringen.

Aus unserer Welt soll die finanzielle Unterstützung, die eingebrachte Arbeitskraft, Knowhow  und Motivation  einander ergänzen und somit helfen Schwieriges möglich machen.

Um nochmal Elisabeth zu zitieren: „Das hat Ngaoubela noch nicht gesehen“ so hoffe ich, dass, wie unsere  motivierten Architekturstudenten, noch viele ihren Weg nach Ngaoubela finden werden."

 


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